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Iris Bleisteiner

Iris ist Leiterin des PR- und Marketing-Teams.
Sie kümmert sich bereits seit Dezember 2017 um die Öffentlichkeitsarbeit bei Thriving Green.


Bau unseres neuen Standorts in Ebukanga

In Zusammenarbeit mit der Village to Global Foundation ist unser 2. Standort im Westen von Kenia entstanden. Dafür haben wir unsere Becken-Konstruktion weiterentwickelt.


Im Februar dieses Jahres entstand in Zusammenarbeit mit der Village to Global Foundation unser zweiter Standort in Ebukanga, einem kleinen Dorf im Westen von Kenia. Seit dem Bau unseres ersten Spirulina-Beckens haben wir unsere Becken-Konstruktion durchgehend weiterentwickelt und für unseren neuen Standort in Ebukanga nochmal speziell angepasst. In diesem Artikel erklären wir die einzelnen Bauschritte. 

In Ebukanga ist die Natur schon deutlich grüner als in der Wüste im Norden des Landes, wo unsere erste Spirulina-Farm steht. Trotzdem ist eine funktionierende Landwirtschaft auf dem trockenen Boden sehr schwierig und geprägt von häufigen Missernten. Vor allem die Verfügbarkeit und Variation von Lebensmitteln ist nicht gegeben. Der größte Teil der Bevölkerung ernährt sich stark einseitig. Somit bleibt auch für diese Region das Problem der Mangelernährung bisher nicht vollständig lösbar.

Dazu kommt, dass viele Familien ihre Kinder aus finanziellen Gründen nicht zur Schule schicken können. Aber selbst wenn, würde die Aufmerksamkeit durch den Hunger und die Mangelernährung zu sehr leiden. 

Die Village to Global Foundation und das Kinderhilfswerk Furaha e.V. haben sich diesem Problem angenommen. Die Village to Global Foundation betreibt in Ebukanga eine Schule für 200 Kinder und versorgt die Schüler zweimal täglich mit Essen. Trotzdem bleibt die Mangelernährung aber ein großes Problem. Mit unserem neuen Projektstandort arbeiten wir Seite an Seite daran die Ernährung nachhaltig zu verbessern und damit auch das Lebensgefühl, die Gesundheit und die Zukunftschancen der Bevölkerung vor Ort. 

Im Februar dieses Jahres begannen wir mit dem Bau einer neuen Superfood-Farm. Ganz ohne technische Hilfsmittel und große Baumaschinen entstand in Zusammenarbeit mit einem Team von lokalen Bauarbeitern in nur wenigen Wochen unser neuer Standort. 

In einem ersten Schritt musste, wie auch hier in Deutschland, das Gelände vermessen und mit einem Schnurgerüst der Platz des neuen Beckens markiert werden. Danach konnte direkt mit den Ausgrabungen begonnen werden. Nur mit Hacke und Schaufel wurden über 60m³ Erde ausgegraben, wobei jeder mitanpackte.   

Nachdem der Aushub geschafft war, häufte sich neben unserer Baugrube die Erde und man konnte bereits die groben Formen des neuen Beckens erkennen. Damit unser neues Spirulina-Becken aber auch in vielen Jahren noch steht, ist ein stabiles Fundament notwendig. Dieses besteht aus einer 30 cm dicken Schicht an großen Steinen und einer Kies-Sand-Mischung, die auf dem Boden der Baugrube verteilt und per Hand verdichtet wurden.

 Das Fundament für unser neues Becken besteht aus großen Steinen und einer Kies-Sand-Mischung.

Erst als sich das Fundament gesetzt hatte, konnten wir mit den Betonarbeiten starten. Der Beton wurde per Hand angemischt und mit Schubkarren zu unserer Baustelle transportiert. Die Arbeiter bereiteten hierfür die einzelnen Schichten aus Kies, Sand und Zement vor und fügten nach und nach Wasser hinzu, welches aus einem 2 km entfernten Fluss kam. Das war keine leichte Aufgabe, aber die Frauen aus der Community unterstützen uns ebenfalls tatkräftig. 

Mit erstaunlicher Präzision und Schnelligkeit entstand der Boden unseres neuen Superfood-Beckens. Zum Schutz vor Feuchtigkeit trennt eine Folie den Beton von dem Fundament und Stahlmatten sorgen für zusätzliche Stabilität. Das erste und auch einzige Mal im Bauprozess kam bei diesem Schritt eine Maschine zum Einsatz: Mit einem Betonrüttler wurde der Boden verdichtet. 

Die Grundlage für die Wände ist eine 20 cm hohe Betonumrandung mit abgerundeten Ecken. So kann das Wasser im Becken später besser durchmischt werden und das Spirulina schneller wachsen. Nachdem die Umrandung gut ausgehärtet war, wurden Stein auf Stein die Wände gemauert. Begonnen haben wir mit den gerade Außenwänden, anschließend kamen die Rundungen und die Trennwand in der Mitte des Beckens hinzu. Durch die Trennwand kann eine gute Zirkulation des Wassers geschaffen werden, wodurch das Wachstum von unserer Alge verbessert wird. Das bisherige Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen. Bei den runden Ecken haben unsere kenianischen Maurer ihre ganze Kunst bewiesen!

Trotz des Regens, der die Bauarbeiten manchmal etwas verzögerte, wurden die Mauerarbeiten rasch abgeschlossen. Während die letzten Steine noch gesetzt wurden, wurde auf der anderen Seite schon mit dem Verputzen begonnen. Die Arbeiter bewiesen auch hier wieder einmal ihr vollstes Können. Der untere Teil der Mauer wurde etwas abgeflacht. Es entstand ein trapezförmiger Querschnitt, welcher weitere Vorteile für die Wasserzirkulation bringt. Im Anschluss wurden auch die Außenwände verputzt. Am Ende der Arbeiten ist kein Mauerstein mehr zu sehen und das Becken sieht zu diesem Zeitpunkt bereits sehr professionell aus.

In einem letzten Arbeitsschritt wurde eine dünne Schicht wasserfester Zement auf alle wasserberührenden Bauteile und noch existierenden Risse aufgetragen. Die Arbeiter gaben sich sehr viel Mühe jede Unebenheit auszugleichen und lieferten ein sauberes Ergebnis ab. 

Neben der verbesserten Mauerkonstruktion wurde unser Becken auch in anderen Bereichen weiterentwickelt. Während unsere ersten Spirulina-Becken noch aufwendig per Hand durchmischt werden müssen, übernimmt das nun ein Rotor, der mit Solarenergie betrieben wird. Er ist dafür verantwortlich, dass das Wasser im Becken durchgehend zirkuliert, aber auch von oben nach unten gut durchmischt wird. Er stellt damit die Luftversorgung von unserem Spirulina sicher. Durch die sehr langsame Drehgeschwindigkeit wird das Zerstören der Alge und ein zu hoher Sauerstoffeintrag verhindert. Da wir keine Bohrmaschine zur Verfügung hatten, wurde ein Mauerstein in den Wänden ausgelassen, um den Rotor dort mit einbetonierten Schrauben zu fixieren. Bei der Anbringung des Rotors im Becken wurde millimetergenau gearbeitet. 

Auch der Trocknungsprozess wurde optimiert. Anfänglich haben wir unser Spirulina in der Sonne getrocknet, für unseren neuen Standort haben wir uns für eine einfache Holzkonstruktion entschieden, die mit Wellblech verkleidet ist. Im Inneren befinden sich Holzrahmen, die wie Schubladen herausgezogen werden können. Ein Plastiknetz verhindert das Festkleben der Alge. So kann unser Spirulina schnell und schonend ohne direkte Sonneneinstrahlung trocknen und ist vor Insekten und Sand geschützt. 

Und zusätzlich zu den allgemeinen Verbesserungen haben wir unsere neue Farm den Bedingungen am neuen Standort in Ebukanga anpassen müssen. Während es im Norden von Kenia in der Wüste des Turkana Counties nur sehr selten bis gar nicht regnet, gibt es in Ebukanga zweimal im Jahr eine Regenzeit. Durch den starken Niederschlag steigt die Wasserhöhe im Becken, wodurch die Zirkulation nicht mehr optimal funktioniert und auch die Salzkonzentration geschwächt wird, was Folgen für das Wachstum unserer Alge hat. Deswegen hat unser neues Becken eine einfache Überdachung bekommen, die in wenigen Minuten abgenommen werden kann und ausreichend Sonnenlicht durchlässt, so dass sowohl der solarbetriebene Motor, als auch das Spirulinawachstum unverändert bleiben. 

 

Wir möchten uns an der Stelle nochmals bei unseren neuen Partnern dem Furaha e.V. und der Village to Global Foundation für die immer noch tolle Zusammenarbeit bedanken und bei unseren Arbeitern, die wirklich gute Arbeit geleistet haben. Wir freuen uns auf die kommenden Monate.

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